Das Bild ist weg!
Das Vibrieren des Bodens verstärkte sich zu einem schrillen Fauchen, und eine blutrote Flamme schoß aus dem Boden, wuchs heran zu einem haushohen Feuer. Die anschließende abrupte Stille war noch schrecklicher als alles andere in dieser verfluchten Nacht. Das lautlose Feuer loderte weit empor, und absurderweise strömte eine beißende Kälte von dort heran, woher eigentlich Hitze hätte kommen müssen. Es war mir, als sähe ich im Gewirr der bleckenden Flammen eine groteske Silhouette, undeutlich, verdreht und ganz und gar unmenschlich. Ein eisiger Schauder packte mich, und meine Zähne begannen zu klappern, aber ich war wie gelähmt, unfähig die Augen von diesem Anblick zu wenden, und meine Sinne waren von einer überwältigendern Macht auf das lästerliche Schauspiel gezwungen. Und dann hörte ich jene Stimme, die ich nie mehr in meinem Leben vergessen kann, diese unmenschliche Stimme, nicht mit den Ohren, sondern tief in meiner Seele, diese durchdringende Stimme, oder war es ein Zischen - ich kann es nicht beschreiben, aber ich höre noch die Worte, ja ich höre sie immer noch, immer wieder nachts in meinen angstgeschüttelten Träumen höre ich sie: ,,Wo ist mein Opfer!?" Der Beschwörer, nun seinerseits in Raserei verfallen, deutete auf mich und kreischte, indem er mit dem Stab auf mich deutete: ,,Dort, großer Azamir, dort, sei gnädig und nimm dein Opfer an!" Diese Rede traf mich wie ein Peitschenschlag, und schlagartig wurde mir alles klar, alle Ungewißheit fiel von mir ab, und mit tödlicher Sicherheit wußte ich, von Anfang an war ein Opfer auserkoren. Alle hatten es gewußt, alle bis auf mich, das Opfer. Wie ein Rasender versuchte ich, mich aus den Griffen meiner Nachbarn zu befreien, umsonst, schon züngelten die Flammen gierig auf mich zu, da ertönte ein schriller Schrei so voll von rasender Wut, von unmensch-licher Enttäuschung, daß es uns beinahe zu Boden warf. "Er kann den Kreis nicht verlassen, er kann den Kreis nicht verlassen!" heulten die Dämonenanbeter auf, und der Schwarzmagier kreischte in höchster Raserei, nun gänzlich von Sinnen, immer wieder dieselben Worte: "Dort großer Azamir, dort, nimm dein Opfer!" In Momenten höchster Gefahr tritt oft das Menschliche, dessen wir uns sooft rühmen, zurück, und ein tierhafter Trieb bemächtigt sich unserer, so auch bei mir. In höchster Todesnot riß ich mich mit ungeahnter Kraft los, der Kreis zerbrach, und ich fiel zu Boden, richtete mich sofort wieder auf und blickte mit weit aufgerissenen Augen in das nahe, von Irrsinn verzerrte Gesicht des Schwarzmagiers, der mit weit ausgestreckten Armen in höchster Raserei auf mich zustürzte. Immer noch brüllte er die Worte:       >>>
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