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| mehr über das Zukünftige als wir blinde Menschenkinder.Wie gesagt, die Vorbereitungen dauerten mehrere Tage, während der wir unter den Gesängen, die wir in einem alten Dokument entdeckt hatten, und deren fremdartige Intonation mir rätselhaft blieb, jedenTag das Heptagramm mit Kreide nachzeichneten, nnd mit den nötigen arkanen Symbolen ergänzten. Immer zur Dämmerung versammelten wir uns und riefen jene abstrusen Lautklänge in die Nacht, die den Geist zu uns locken sollten. Das Heptagramm wurde allmählich zu einem komplizierten Gebilde, denn, wie wir Zauberer wissen, ist das Weltengefüge solcher Gestalt, daß ein jeder Monat und jede Woche, ein jeder Tag und jede Stunde entweder von einem Gott, Halbgott oder gar Dämon beherrscht wird, der besänftigt oder milde gestimmt werden muß, soll die Beschwörung gelingen. Dies war nun meine Aufgabe, da ich als Kundiger galt, und so schrieb ich Tag für Tag die Namen der Mondes-, Wochen- und Tagesherrscher sowie ihrer Gehilfen in die Kreuzlinien des Heptagrammes, welches gewißlich eine Größe von vier Schritt Durchmesser hatte. Diese Tätigkeit forderte mein ganzes Wissen und Erinnerungsvermögen, und ich war froh, bei meinem alten Lehrherren wenigstens einigermaßen auf seine Unterweisungen gelauscht zu haben. Hätte ich nur besser aufgepaßt! Schon damals hätte ich ahnen müssen, daß es mitnichten eines Heptagrammes bedurfte, einen simplen Geist zu binden! Jeden Abend benutzte der Inkantator des Kreises jener Fremde, der mich damals in der Gaststube angesprochen hatte ein Fernrohr, um den Stand der Gestirne zu beobachten, denn dieser ist unerlässlich für die Festsetzung der Zeremonie. Der Boronsmond weist von vornherein die besten Voraussetzungen für eine Totenbeschwörungauf, und schließlich standen die Sterne ingünstiger Konstellation für unser Vorhaben. Als schließlich alle Namen der göttlichen und dämonischen Herrscher eingetragen waren, fügte ich unter Gebeten noch alle arkanen Zeichen hinzu, die mir bekannt waren, solche des Rufens ebenso wie solche des Schutzes, und, auf Gebot meiner Mitbeschwörer, einige andere, die ich zuvor noch nie gesehen hatte. Diese fand ich in jenem Dokument abgebildet, welches wir so eifrig vor der Inkantation studiert hatten und auf dem sich auch der fremdartige Wortlaut der Beschwörung fand. Ab und zu gingen einige unserer Gefährten zurück in die Stadt, um Verpflegung und Trinkwasser zu holen, denn das Wasser der Quelle, die ganz in der Nähe des Steinkreises aus einem Felsspalt entsprang, roch ekelerregend und war von grünlicher Färbung. Auch war die Gegend sonst recht unheimlich: Kein Tier regte sich weit und breit, und erst nach Tagen fiel mir das Fehlen jeglichen Vogelgesangs auf, ein Umstand, den ich aber auf die Jahreszeit zurückführte und mir bei dem Umstand nichts weiter dachte und vor allem denken wollte. >>> |