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Azamir
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Ein kleiner Marktzauberer bin ich, und das Höchste, dessen ich machtig bin, sind FlimFlam, Auris, Nasus, Oculus und ähnlich andere dem Publikum gefällige Sprüche, aber ich bin zufrieden oder war es, besser gesagt; verflucht sei der Tag, da mich der Hochmut packte und ich mich mit Spähren einließ, die nicht für mich und meinesgleichen gemacht sind, oh, Hesinde, sei meiner gnädig! Seitdem hat mich ein Gefühl lauernder Furcht nie mehr verlassen, und ich schrecke des Nachts bei jedem Geräusch hoch aus meinen verworrenen Träumen und kann nicht mehr schlafen. Die Namenlosen Tage fürchte ich wie kein anderer, und eines Tages werde ich verloren sein, und nichts kann mich retten. Wie es dazu kam? Wollt Ihres wirklich wissen! Schon von Kindheit an war ich der höchsten aller Künste, der Magie, zugetan und verbrachte viel Zeit bei unserem Dorfmagier, einem mürrischen Gesellen, der mich erst nach viel Bettelei und einem beträchtlichen Geldgeschenk meiner Familie als Lehrling annahm und mir das beibrachte, was ich dann später auf allerlei Jahrmärkten den staunenden Bauern vorführte. Zwar blieb mein Talent beschränkt, aber ich hatte mein bescheidenes Auskommen. Doch verflucht sei mein Stolz, meine Neigung zu ,,Höherem". Ich schreibe es auch diesem Stolz zu, daß ich beinahe unbewußt nach Ysilien, einer der finstersten Gegenden unseres Landes, wanderte und mir selbst einredete, der dortige Viehmarkt sei lohnender als andere in lichteren Gefilden. Wie viele meines Gewerbes wußte ich auch, daß gerade in den Berggegenden einige unheimliche Orte aus versunkenenen Zeiten existieren. Man munkelte von uralten Steinkreisen und seltsamen Felsenzeichnungen. Das alles reizte meine Phantasie, und so traf ich in der Stadt Ysilien ein und baute meinen kleinen Stand auf dem Markt auf. Die Geschäfte liefen eher schlecht, so als ob die Einheimischen nichts von Zauberkunststücken wissen wollten, und so saß ich am Abend des ersten Tages ziemlich niedergeschlagen in der ärmlichen Taverne und starrte trübsinnig meinen Becher an, als sich plötzlich ein Fremder zu mir setzte. Er war hochgewachsen, dunkelhaarig und eine recht elegante Erscheinung, besaß aber eine irgendwie unangenehme Stimme. Wie dem auch sei; wir kamen ins Gespräch, und nachdem wir über den Stand eines fahrenden Zauberers im allgemeinen und in meinem Falle geredet hatten, eröffnete er mir, daß er das Haupt eines im Orte ansässigen ,,Freundeslereises der Magie" sei, einer Vereinigung von interessierten Bürgern, die ihren Horizont um Wissenswertes aus der Hohen Schule erweitern wollten. >>> |
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